Die Symphonie der Zukunft

Elektroautos geben keinen Ton von sich. Höchstens ein leises Summen. Ob das so bleiben soll, werden wir sehen bzw. hören. Dr. Ralf Kunkel, Leiter Audi Akustik, und Nick Mason, Schlagzeuger von Pink Floyd, haben da ein paar Ideen.

Normalerweise beschäftigt sich Dr. Ralf Kunkel damit, den Lärm von Motoren zu reduzieren und in einen angenehmen Geräuschpegel zu verwandeln. Seine aktuellste Aufgabe ist eine ganz andere: Er muss den elektrisch betriebenen Modellen der Audi e-tron Familie „das Sprechen“ beibringen.

„Bis jetzt konnten Fußgänger einen normalen Verbrennungsmotor einfach lokalisieren. Bei Elektroautos ist das anders. Bei Geschwindigkeiten unter 25 km/h hört man kaum etwas“, erklärt Dr. Kunkel. „Das könnte natürlich Sicherheitsrisiken bergen. Vor allem für Menschen, die auf Geräusche angewiesen sind, wie zum Beispiel Sehbehinderte.“

Aber welches Geräusch wird diese Orientierung ermöglichen? Ein schöner, fetter quattro Sound? Oder das potente Brüllen eines Le Mans-Gewinners? „Wir können uns für die Zukunft nicht einfach der Geräuschpalette der Vergangenheit bedienen. Ein Benziner soll sich anhören wie ein Benziner. Ein Diesel wie ein Diesel. Jedes Auto hat seinen eigenen Charakter. Für uns ist es von essenzieller Bedeutung, dass ein Elektroauto ein unverwechselbares Geräusch macht.“

„Das Geräusch, mit dem in Science-Fiction-Filmen Fahrzeuge der Zukunft unterlegt werden, halte ich für einen interessanten Ansatz“, räumt Dr. Kunkel ein. Und verweist auf einen Blockbuster, in dem ein elektrobetriebener Audi schon vor sieben Jahren die Fantasie für das Jahr 2035 beflügelte. „Der Audi RSQ aus dem Hollywood-Film „I, Robot“ zeigt ein bisschen, wo die Reise hingeht.“

Der Schlagzeuger Nick Mason, Mitbegründer der legendären Band Pink Floyd und Soundtüftler der ersten Stunde, schlägt bei einem Besuch im Audi Design in Ingolstadt vor: „Vielleicht könnte man sich den Sound für sein Elektroauto ja runterladen wie einen Klingelton.“ Der Blick in die tagesaktuelle Hitliste der Klingeltöne ist jedoch nicht besonders vielversprechend.

„Ist denn ein Audi überhaupt noch ein Audi, so ganz ohne Motorengeräusch?“, fragt der kompetente Rennfahrer in die Runde. Das Audi Design Team dreht den Spieß um. Und präsentiert Nick Mason einen Film, in dem die Höhepunkte der Audi Rennsport-Geschichte mit einem Hightech-Sound unterlegt sind, wie er den Vorstellungen von Dr. Kunkel schon sehr nahe kommt.

Mason ist perplex, die Wirkung ist fantastisch. Ein Designer aus dem Team spricht eine große Wahrheit gelassen aus: „Wenn das Fahren Spaß macht, denkt man über das Geräusch nach ein paar Sekunden nicht mehr nach. Es ist einfach da, und es ist großartig.“

Einen kleinen scherzhaften Tipp hat Nick Mason zum Schluss aber doch noch. „Eigentlich braucht ihr nur eine Schnur und eine leere Büchse. Dann habt ihr euren Sound.“ Was Dr. Kunkel wohl dazu sagt, wenn er das hört?