Abendprogramm 27. Juni 2025
Musical-Highlights mit der Audi Bläserphilharmonie

Bildnachweise: © Thorsten Brieger (Audi Bläserphilharmonie) | © Mathis Leicht (Florian Glemser)
Programm
27. Juni 2025
Beginn: 20:30 Uhr
Ort: Klassik Open Air im Klenzepark
Eintritt frei / VIP-Ticket 85 Euro
Musical-Highlights mit der Audi Bläserphilharmonie
Florian Glemser, Klavier
Audi Bläserphilharmonie
Pietro Sarno, Dirigent
Annekatrin Hentschel, Moderation
Aaron Copland (1900–1990)
Fanfare for the Common Man
Very deliberately
Benny Andersson (*1946) / Björn Ulvaeus (*1945)
Medley aus dem Musical Chess
George Gershwin (1898–1937)
Rhapsody in blue
(Bearbeitung: Tohru Takahashi)
Pause
Phil Collins (*1951)
Two worlds aus Walt Disney’s Tarzan
(Bearbeitung: Takashi Hoshide)
Frederick Loewe (1901–1988)
Medley aus dem Musical My Fair Lady
(Bearbeitung: Alfred Reed)
Sylvester Levay (*1945)
Medley aus dem Musical Elisabeth
(Bearbeitung: Johan de Meij)
Andrew Lloyd Webber (*1948)
Medley aus dem Musical Starlight Express
(Bearbeitung: Jerry Nowak)
Andrew Lloyd Webber
Medley aus dem Musical Cats
(Bearbeitung: Johan de Meij)
Künstlerinnen/Künstler

© Freepik
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Werktext
Publikumsrenner
Coplands Fanfare for the common man
Ein idealer Opener: Aaron Coplands Fanfare for the Common Man ist eines der bekanntesten Werke der US-amerikanischen Musikgeschichte. Eine pulsierende Mischung aus Optimismus und Patriotismus, die später in unzähligen Scores von Hollywoodverfilmungen nachgeahmt wurde – selbst die Rolling Stones verwendeten einen Ausschnitt als Intro auf ihrer Tour of the Americas ’75. Entstanden ist das populäre Stück auf Anregung von Eugène Goossens, dem damaligen Dirigenten des Cincinnati Symphony Orchestra. Goossens gab anlässlich des Eintritts der USA in den Zweiten Weltkrieg Ende 1941 bei 18 amerikanischen Komponisten heroische Fanfaren für Blechbläser und Schlagwerk in Auftrag, um „mitreißende und bedeutende Beiträge zu den Kriegsanstrengungen“ zu erhalten. In der Saison 1942/43 sollte jedes Konzert des Cincinnati Symphony Orchestra mit einem entsprechenden Werk beginnen, um alle, die am Kampf gegen Nationalsozialismus und Faschismus teilnahmen, zu ehren. Während die übrigen 17 Werke, die daraufhin von US-Komponisten wie Howard Hanson, Virgil Thomson, Paul Creston und Walter Piston geschrieben wurden, heute weitgehend in Vergessenheit geraten sind, avancierte Coplands Fanfare for the common man zum Publikumsrenner. Nach ihrer Premiere am 12. März 1943 in Cincinnati unter Goossens Leitung und ihrer New Yorker Erstaufführung zwei Tage später mit George Szell am Pult wurde mit ihr während der Kriegsjahre fast jedes Klassikkonzert in den USA eröffnet. Der Titel war indirekt Vizepräsident Henry A. Wallace zu verdanken, der in einer seiner Reden prophezeit hatte, dass der kleine Mann, der „common man“, die mächtigste Kraft des 20. Jahrhunderts werden würde. Copland hatte sich in seinen Pariser Studienjahren bei Nadia Boulanger mit den Tendenzen der europäischen Moderne vertraut gemacht, um anschließend selbst mit Elementen von Strawinskys Neoklassizismus und Schönbergs Zwölftonmusik zu experimentieren. In die USA zurückgekehrt, fand er zu einer vereinfachten, genuin „amerikanischen“ und „demokratischen“ ¬Musiksprache, die ihn landesweit populär machte. Nach Kriegsende überarbeitete und erweiterte er seine Fanfare und integrierte sie anschließend ins Finale seiner Dritten Sinfonie, um dem Werk jenen „lebensbejahenden Ton“ zu geben, der „den euphorischen Geist des Landes zu jener Zeit“ zum Ausdruck bringen sollte. Leonard Bernstein verglich sie mit dem Washington Monument und dem Lincoln Memorial.
Blaues Wunder
Gershwins Rhapsody in blue
Es war der „American Dream“, der für die russisch-jüdische Einwandererfamilie Gershovitz in Brooklyn in Erfüllung gehen sollte: 1918 landete George (Gershovitz-)Gershwin mit dem Song Swanee seinen ersten großen Hit und avancierte kurz darauf zu einem bekannten Broadway-Komponisten. Auch der Erfolg seiner Rhapsody in blue, die der Bandleader Paul Whiteman geschickt als „experiment in modern music“ vermarktete, war bei der Premiere am 12. Februar 1924 in der New Yorker Aeolian Hall überwältigend: „Fünfzehn Minuten vor Beginn des Konzerts“, so Whiteman, „gab ich meiner Nervosität und Neugierde nach, verbarg den Frack unter einem Mantel und schlich ums Haus herum, zum Eingang. […] Obwohl es heftig schneite, drängten sich die Menschen wie in der U-Bahn, rauften sich um den Zutritt und kämpften um die letzten Karten, wie sonst nur bei einem Baseballspiel oder einem Boxwettkampf. Ich war so verwirrt, dass ich mich fragte, ob ich nicht vielleicht an die falsche Adresse geraten sei. Anderntags versicherte man mir, wir hätten auch das zehnfache Kartenkontingent verkaufen können.“ Viele Vertreter der New Yorker Prominenz waren anwesend, unter anderem die Komponisten Rachmaninow und Strawinsky, die Dirigenten Stokowski und Mengelberg sowie die Geiger Fritz Kreisler und Jascha Heifetz.
Gershwin hatte unter großem Zeitdruck komponiert: Bereits am 4. Februar 1924 war in der New York Tribune ein Artikel erschienen, in dem vollmundig ankündigt worden war, dass er an einem Jazzstück für Whiteman arbeite – was zu diesem Zeitpunkt gar nicht stimmte. Kein anderer als Whiteman steckte dahinter, da sein Rivale Vincent Lopez ebenfalls ein „experimentelles“ Konzert geben wollte, weshalb er Gershwin unter Druck setzte. Da es nur noch fünf Wochen bis zur geplanten Aufführung waren, begann Gershwin sofort mit der Komposition seiner American Rhapsody (Arbeitstitel) – in enger Zusammenarbeit mit seinem Bruder Ira. Dieser war es, der zur Aufnahme eines langsamen Mittelteils riet, für den er aus einem von Georges Skizzenheften auch gleich das passende Thema heraussuchte. Schließlich wurde die Partitur Whitemans Arrangeur Ferde Grofé übergeben, der in seiner Instrumentation die besonderen Fähigkeiten der Mitglieder des Whiteman-Orchesters berücksichtigte – allen voran die des Klarinettisten Ross Gorman, der den schnell aufsteigenden, aus 17 Tönen bestehenden Lauf zu Beginn wie ein Glissando spielte, was Gershwin umgehend in seine Partitur übernahm.
Von Kaiserinnen und Katzenliebhabern
Eine Reise durch die Welt des Musicals
Es gibt einige Komponisten sogenannter „ernster“ Musik, die auch Musicals geschrieben haben. George Gershwin etwa, der zunächst am Broadway Karriere machte und erst dann im Konzertsaal – und das, ohne jemals ein Konservatorium von innen gesehen zu haben. Auch Kurt Weill widmete sich nach seiner Emigration in die USA dem beliebten Genre; ebenso wie Leonard Bernstein, dessen West Side Story eines seiner erfolgreichsten Stücke überhaupt werden sollte. Auf der anderen Seite haben viele Popgrößen das Repertoire um zahlreiche Musical-Highlights erweitert – auch der britische Musiker, Songwriter und Musikproduzent Phil Collins, dessen Musical Tarzan in den undurchdringlichen Dschungel führt. Das auf dem gleichnamigen Disney-Zeichentrickfilm von 1999 basierende Stück hatte am 10. Mai 2006 im Richard Rodgers Theatre in New York Premiere. Two worlds erklingt zu Beginn der Geschichte, als Kala auf der Suche nach ihrem entführten Gorillababy einen menschlichen Jungen findet, den sie Tarzan nennt. Mit Alfred Reeds Bläser-Medley aus Frederick Loewes My Fair Lady nach Bernard Shaws Schauspiel Pygmalion folgt anschließend Musik aus dem erfolgreichsten Musical aller Zeiten: Mit 2.717 Vorstellungen en suite allein am Broadway brach das Werk sämtliche Aufführungsrekorde, ganz abgesehen von den unzähligen Nachinszenierungen und der weltweit erfolgreichen Verfilmung von 1964 mit Audrey Hepburn und Rex Harrison in den Hauptrollen, die mit acht Oscars ausgezeichnet wurde. Mit My Fair Lady schrieb Loewe ein Musical voller Weltschlager, von denen sich Nummern wie Elizas I could have danced all night, Freddies On the Street where you live sowie die beiden Songs von Alfred Doolittle With a little bit of Luck und Get me to the Church on Time bis heute größter Beliebtheit erfreuen.
Als bekanntestes deutschsprachiges Musical ging Elisabeth von Michael Kunze und Sylvester Levay in die Musikgeschichte ein. Die berührende Geschichte um Leben, Wirken und Leiden der berühmtesten Kaiserin von Österreich, die wie ein romantisches Märchen beginnt, sich dann aber schnell zu einem Drama voller Entbehrungen und Machtkämpfe entwickelt, sorgte bislang bei über zwölf Millionen Zuschauern in 14 Ländern für Begeisterung. Joahn de Meijs Arrangement enthält mehrere Highlights aus dem Stück, das am 3. September 1992 in Wien seine gefeierte Premiere hatte: unter anderem Prolog, Boote in der Nacht, Die fröhliche Apokalypse, Nur kein Genieren und Finale: Ich gehör nur mir.
Großen Erfolg hatte auch Andrew Lloyd Webbers Musical Starlight Express von 1982, dessen gefeierte Uraufführung am 27. März 1984 im Apollo-Victoria-Theatre in London stattfand. Hier hatte man für die Produktion, in der sich Lokomotiven aller Art ein rasantes Rennen nach dem anderen liefern, eine dreistöckige Rollschuhrennbahn mit ausschwenkbarer Zugbrücke und Weichen gebaut – passenderweise lag das Theater in der Nähe der Victoria Station. Vorher entstand Webbers Musical Cats, sein dritter Welterfolg nach Jesus Christ Superstar und Evita. Es basiert auf der Gedichtsammlung Old Possum’s Book of Practical Cats, die der Lyriker, Dramatiker, Kritiker und Katzenliebhaber T. S. Eliot ursprünglich für seine Patenkinder geschrieben hatte. Für das Musical mit seinem Welthit Memory wurden die Gedichte zu einer Handlung zusammengefügt, die mit dem alljährlichen Treffen der Londoner Katzen zum Jellicle Ball beginnt. Seine Weltpremiere feierte das Erfolgsstück am 11. Mai 1981 im New London Theatre (dem heutigen Gillian Lynne Theater), wo es 21 Jahre lang gespielt wurde. Anschließend wechselte Cats für die nächsten 18 Jahre an den Broadway und wurde zudem in mehr als 30 Ländern gespielt, in 16 Sprachen übersetzt und von rund 73 Millionen Menschen weltweit gesehen. Erst 2006 wurde Cats als die am längsten laufende Show in der Geschichte des Broadways abgelöst: von Andrew Lloyd Webbers The Phantom of the Opera, das 1986 uraufgeführt worden war.
Allgemeines
Veranstalter
AUDI AG
Kommunikation Kultur
85045 Ingolstadt
Text und Biografien
Harald Hodeige



