Abendprogramm 26. Juli 2026

Abschlusskonzert mit der Audi Jugendchorakademie

Links singender Chor mit Notenmappen, rechts Porträt einer Frau in dunklem Kleid vor unscharfem Hintergrund.

Bildnachweise: © Thorsten Brieger (Audi Jugendchorakademie) | © Paul Marc Mitchell (Chen Reiss)

Programm

Sonntag, 26. Juli 2026

Beginn: 19 Uhr
Ort: Festsaal, Ingolstadt
Karten: 60 / 50 / 40 / 30 Euro

Abschlusskonzert mit der Audi Jugendchorakademie

Audi Jugendchorakademie
Akademie für Alte Musik Berlin
Chen Reiss, Sopran
Irene Roberts, Mezzosopran
Sung Min Song, Tenor
Wilhelm Schwinghammer, Bass
Martin Steidler, Leitung

Giuseppe Verdi (1813–1901)
Messa da Requiem
für Soli, Chor und Orchester
Text: Missa pro defunctis
Nr. 1 Introitus: Requiem (Chor) 
Kyrie (Soli, Chor)
Nr. 2 Sequentia: Dies irae
Dies irae (Chor) 
Tuba mirum (Chor, Bass) 
Liber scriptus (Mezzosopran, Chor)
Quid sum miser (Mezzosopran, Tenor, Sopran) 
Rex tremendae (Chor, Soli) 
Recordare (Mezzosopran, Sopran)
Ingemisco (Tenor) 
Confutatis (Bass) 
Lacrymosa (Soli, Chor)
Nr. 3 Offertorium: Domine Jesu (Soli)
Nr. 4 Sanctus (Doppelchor)
Nr. 5 Agnus Dei (Sopran, Mezzosopran, Chor)
Nr. 6 Communio: Lux aeterna (Mezzosopran, Bass, Tenor)
Nr. 7 Responsorium: Libera me (Sopran, Chor)

Um 18:30 Uhr findet im Mittelfoyer des Festsaals eine Konzerteinführung mit Annekatrin Hentschel (BR-Klassik) statt.

Künstlerinnen/Künstler

Zwei Hände spielen auf den Tasten eines schwarzen Konzertflügels.

Werktext

Alles Theater?
Die Messa da Requiem

Für den irischen Dramatiker, Satiriker und allseits gefürchteten Musikkritiker George Bernard Shaw war die Messa da Requiem Giuseppe Verdis beste Oper. Die Musik habe eine theatralische Kraft, die „opernhafter“ sei als viele der eigentlichen Bühnenwerke, weshalb das Ganze gewissermaßen den Höhepunkt von Verdis Musikdramen darstelle. Hans von Bülow, der spätere Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, schlug in die gleiche Kerbe und sprach von einer „Oper im Kirchengewande“ – was allerdings abfällig gemeint war. Johannes Brahms hielt dagegen: Ein Werk wie dieses könne „nur ein Genie“ schreiben. Bülow (der sich später bei dem von ihm als „allgewaltige[n] Verderber des italienischen Kunstgeschmacks“ beschimpften Verdi entschuldigte) habe sich mit seinem Fehlurteil „unsterblich blamiert“.

Verdis Requiem polarisierte die Zeitgenossen, weil sich die musikalische Sprache in Teilen tatsächlich nicht wirklich von den zuvor entstandenen Opern Don Carlos und Aida unterscheidet (und vieles aus Otello und selbst aus Falstaff vorwegnimmt). Das Schlagwort von der „Oper im Kirchengewand“ hielt sich hartnäckig – auch, weil zu den bei der Premiere mitwirkenden Solisten Verdis erste Darstellerinnen der Aida (die Sopranistin Teresa Stolz) und Amneris (Maria Waldmann) gehörten, was an einen opernhaften Aufführungsstil und damit auch an Bühnendramatik denken ließ. Dass Verdi keinesfalls an etwas derartiges dachte, teilte er im Vorfeld seinem Verleger Ricordi mit: „Sie verstehen gewiss besser als ich, dass diese Messe nicht wie eine Oper gesungen werden darf und dass also Phrasierungen und Dynamik, wie sie auf dem Theater angebracht sind, mir hier nicht – aber auch schon gar nicht – zusagen.“ Dass die Messe nach ihrer Uraufführung am 22. Mai 1874 in der Mailänder Kirche San Marco in der Mailänder Scala und an der Pariser Opéra-comique erklang, stand hierzu in keinem Widerspruch. Denn längst war es im Zuge der Säkularisierung von Kunst und Gesellschaft üblich, Werke dieser 500 Jahre alten Gattung für den Konzertsaal zu komponieren – als Meditation über den Tod, als Trost spendenden Abschied oder als lautstarken Protest gegen die skandalös-unerbittliche Vergänglichkeit allen Lebens.
Für letzteres entschied sich Verdi, wobei er in seinem durch und durch humanen Requiem das liturgische Geschehen, die apokalyptische Schreckensvision vom „Tag des Zorns“ („Dies Irae“) ebenso wie das abschließende „Libera me“, tatsächlich auf einer imaginären Bühne inszenierte – inklusive der aus der Oper stammenden Ferntrompeten, die im „Dies Irae“ mit zunehmender Klangfülle und Lautstärke das beklemmende Gefühl einer immer näher rückenden Bedrohung entstehen lassen. Keine andere Textzeile wird mit solchem Nachdruck und in so vielen musikalischen Schattierungen zum Klingen gebracht wie diese apokalyptische Vision, deren Szenerie vom Beben der Erde und vom posaunenbewehrten letzten Richter nahezu expressionistische Züge annimmt. Doch auch in den anderen Werkteilen gelang es Verdi, mit dem gekonnten Blick des Dramatikers das szenische Potential des liturgischen Textes voll auszuspielen, was dazu führte, dass die Missa da Requiem unter allen geistlichen Kompositionen des 19. Jahrhunderts schlicht einzigartig ist. Dabei macht die quälend-abgründige Melancholie der Musik überdeutlich, dass Verdi als Agnostiker (seine Frau bezeichnete ihn sogar als Atheisten) kein kirchliches Heilsversprechen gelten ließ.

Auch die Entstehungsgeschichte der Messa da Requiem ist einzigartig. Denn nachdem mit Gioachino Rossini am 13. November 1868 der bedeutendste italienische Opernkomponist des frühen 19. Jahrhunderts in Paris verstorben war, regte Verdi eine beispiellose Gedenkfeier für den geschätzten Kollegen an. Die angesehensten Komponisten des Landes sollten gemeinsam eine Messa per Rossini schreiben, deren Aufführung in Bologna auf den Jahrestag von Rossini Tod festgesetzt wurde. Dabei sollte alle Beteiligten auf ein Honorar verzichten, wobei auch die Nachwelt von jeder kommerziellen Verwertung auszuschließen war, indem man das Manuskript nach erfolgter Aufführung im Konservatorium von Bologna versiegelte. Das Projekt scheiterte an allerhand Eitelkeiten und Intrigen der musikalischen Autoritäten in Bologna, weshalb die Partitur in den Archiven verschwand und die Messe erst am 11. September 1988 in Stuttgart uraufgeführt wurde.

Verdi hat für diese Gemeinschaftskomposition das „Libera me“ beigesteuert, womit er immerhin zwei Teile einer vollständigen Vertonung des liturgischen Textes vorweggenommen hatte, nämlich den einleitenden Introitus („Requiem aeternam“) und den Beginn der Sequenz („Dies irae“): Beide Textteile werden im „Libera me“ wieder aufgegriffen und mussten vertont werden. Als Verdi dann im Februar 1871 vom Tod des Schriftstellers Alessandro Manzonis erfuhr, dessen Roman Die Verlobten für ihn „nicht nur ein Buch, sondern eine tröstende Botschaft für die ganze Menschheit“ war, nahm sich der Komponist auch den Rest des Messtextes vor, wobei seine Messa da Requiem schließlich genau ein Jahr nach dem Tod Manzoni uraufgeführt wurde.
Insgesamt sieben Teile umfasst das Werk, wobei neben dem zuerst entstandenen Totengebet („Libera me“) vor allem die Sequenz („Dies irae“) eine Sonderstellung einnimmt, weil Verdi hier auf die sonst übliche Gliederung verzichtete und das Ganze wie einen einzigen durchkomponierten Opernakt entwarf. Das Ergebnis? Ein packendes, mehr als halbstündiges musikalisches Drama, das – nach geflüsterem „Requiem aeternam“ und bewegterem „Kyrie“ – mit entfesselten Blechbläsern, dröhnendem Pauken und machtvollem Chorklang hereinbricht, wodurch die Schrecken des Todes ins Zentrum rücken. Im „Lacrymosa“, mit dem dieser hochdramatische Hauptteil endet, erreichte Verdi – zumindest was seine Themen anging – wirklich den Bereich des Musiktheaters. Das Stück basiert nämlich auf der Klage König Philips um den ermordeten Marquis Posa aus einem später wieder gestrichenen Duett aus der Oper Don Carlos, wobei bereits vorher die Gewitterszene aus Rigoletto anklingt.
Im abschließenden „Libera me“ übernahm Verdi die ursprüngliche Vertonung aus der Messa per Rossini nahezu unverändert. Hier wie dort bietet der Satz kein erlösendes Heilsversprechen, keine Gewissheit eines gnädigen Gottes, sondern lässt das Requiem in tonloser Verzweiflung ausklingen. Kein Lichtschein erhellt die Trostlosigkeit des Todes, der ja in erster Linie die Lebenden betrifft. Für sie, so der Essayist und Musikkritiker Massimo Mila, der im 20. Jahrhundert zu den einflussreichsten italienischen Stimmen der Musikästhetik gehörte, habe Verdi „das grausame Drama des Todes“ realistisch in Musik gefasst – als ein „Schauspiel der kleinen Menschen, die ihre Fäuste gegen einen schwarzen, drohenden Himmel erheben.“ Schon Mila zählte das Verdi-Requiem zu den eindrucksvollsten und bewegendsten Vertonungen der Totenmesse seit der Renaissance. Kein Wunder, dass es heute zu den weltweit meistgespielten Werken der Chorliteratur gehört.

Allgemeines

Veranstalter
AUDI AG
Kommunikation Kultur
85045 Ingolstadt

Text und Biografien
Harald Hodeige

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