Programm 4. & 5. Juli 2026

Dido und Aeneas – Barock trifft Flying Steps

Vier Tänzer in weißer Kleidung bewegen sich auf der Bühne vor Orchester und Chor, blaues Bühnenlicht.

Bildnachweis: © Thorsten Brieger

Programm

Samstag, 4. Juli 2026
Sonntag, 5. Juli 2026

Beginn: 19 Uhr
Ort: Festsaal, Ingolstadt
Ab 18 Uhr Vorspiel zur Oper im Foyer des Festsaals

Dido und Aeneas – Barock trifft Flying Steps

Karten: 60 / 50 / 40 / 30 Euro
Ab 18 Uhr Vorspiel zur Oper im Foyer des Festsaals

Vokalensemble LauschWerk
Martin Steidler und Sonja Lachenmayr, Einstudierung
Kammerphilharmonie Ingolstadt
Flying Steps
Jeff Jimenez, künstlerische Leitung Tanz
Antrix, Loopstation / Beatboxer
Magdalena Schnitzler, Konzept und Regie
Ariel Zuckermann, Leitung

Vorspiel im Foyer
Fantasie: Arrival of the Witches (18.15 Uhr)
Opening Chorus (18.30 Uhr)

Henry Purcell (1659 – 1695)
Dido and Aeneas
Oper in drei Akten
Libretto: Nahum Tate nach Vergils Epos Aeneis

Overture: Adagio – Allegro moderato

Act I
Song and Chorus: „Shake the cloud from off your brow“ – „Banish sorrow, banish care“ (Belinda, Chor)
Song on a Ground Bass: „Ah! Belinda“ (Dido)
Recitative: „Grief increases by concealing“ (Belinda, Dido)
Chorus: „When monarchs unite“ (Chor)
Recitative: „Whence could so much virtue spring“ (Dido, Belinda)
Duet and Chorus: „Fear no danger to ensue“ (Dido, Frau, Chor)
Recitative: „See, your royal guest appears“ (Belinda, Aeneas, Dido)
Chorus: „Cupid only throws the dart“ (Chor)
Recitative: „If not for mine, for empire’s sake“ (Aeneas)
Air: „Persue thy conquest, Love“ (Belinda)
Chorus: „To the hills and the vales“ (Chor)
The Triumphing Dance
Prelude for the Witches
Recitative accompanied: „Wayward sisters, you that fright“ (Zauberin)
Chorus: „Harm’s our delight“ (Chor)
Recitative accompanied: „The Queen of Carthage whom we hate“ (Zauberin)
Chorus: „Ho, ho, ho!“ (Chor)
Intermezzo 1
Recitative accompanied: „Ruin’d ere the set of sun“ (Erste und zweite Hexe, Zauberin)
Chorus: „Ho, ho, ho!“ (Chor)
Duet: „But ere we this perform“ (Erste und zweite Hexe)
Chorus: „In our deep-vaulted cell“ (Chor)
Echo Dance of Furies
Intermezzo 2

Act II
Song and Chorus: „Thanks to these lonesome vales“ (Belinda, Chor)
Chaconne
Song on a Ground Bass: „Oft she visits this lone mountain“ (Frau)
Recitative accompanied: „Behold, upon my bending spear“ (Aeneas, Dido)
Song and Chorus: „Haste, haste to town“ (Belinda, Chor)
Recitative: „Stay, Prince, and hear great Jove’s command“ (Geist, Aeneas)

Act III
Song and Chorus: „Come away, fellow sailors“ (Seemann, Chor)
The Sailors’ Dance
Recitative: „See, the flags and streamers curling“ (Zauberin, Erste und zweite Hexe)
Song: „Our next motion must be to storm her lover“ (Erste Hexe)
Chorus: „Distruction’s our delight“ (Chor)
Dance of witches and sailors
Intermezzo 3
Recitative: „Your counsel, all is urg’d in vain“ (Dido, Belinda, Aeneas)
Chorus: „Great minds against themselves conspire“ (Chor)
Recitative: „Thy hand, Belinda, darkness shades me“ (Dido)
Song on a Ground Bass: „When I am laid in earth“ (Dido)
Chorus: „With drooping wings ye Cupids come“ (Chor)

Künstlerinnen/Künstler

Gitarre und Violine liegen nebeneinander auf einem hellen Holzboden.

Werktext

Drama in Musik
Purcells Dido and Aeneas

Oper in England? Spielte dort im 17. Jahrhundert keine Rolle. Denn unterscheidet man die Bühnengattung als vollständig in Musik gesetztes Drama von den zahlreichen anderen Formen des Musiktheaters, sind in England in dieser Zeit überhaupt nur drei echte Opern entstanden: John Blows Venus and Adonis (ca. 1682), Louis Grabus Albion and Albanius (1685) und Henry Purcells Dido and Aeneas (1689). Dabei gelang es Purcell wohl am besten, erstmals ein in sich geschlossenes Musikdrama zu schaffen. Entstanden ist es für eine Mädchenschule gehobener Schichten in Chelsea – und wie damals üblich, stellte das Libretto einen direkten Bezug zu Mitwirkenden und Publikum her. Denn die in der Aeneis des antiken römischen Dichters Vergil überlieferte Geschichte der karthagischen Königin, die sich in den titelgebenden trojanischen Flüchtling verliebt, von ihm verlassen wird und stirbt, eignete sich bestens dafür, den jungen Ladies die Gefahren von Liebe und Leidenschaft in aller Dramatik vor Augen zu führen. 

Um das erwünschte pädagogische Ziel zu erreichen, verwandelten der Schuldirektor Josias Priest, ein stadtbekannter Tanzmeister, der Dichter Nahum Tate und Purcell selbst die Laienbühne der Schule zur moralischen Anstalt, weshalb Tate die tragische Liebe zweier Menschen, deren Schicksal in der Hand untereinander streitender Gottheiten liegt, etwas anders erzählen musste als Vergil. Um der Sittlichkeit genüge zu tun, deckte man den Mantel der Diskretion über die Liebesszene den beiden Protagonisten. Auch Didos verzweifelter Selbstmord hätte ein wenig wünschenswertes Vorbild abgegeben, weshalb Tate die Königin – nachdem sie sich selbst für ihren Fehltritt bestraft und Aeneas fortgeschickt hatte – an gebrochenem Herzen sterben ließ. Außerdem steuerte der Dichter zahlreiche neue Handlungsmomente bei, die das englische Theater nicht erst seit Shakespeares Drama Macbeth liebte. Denn nicht die Götter auf dem Olymp befehlen Aeneas, Dido zu verlassen, um in Italien ein neues Troja zu begründen, sondern heimtückische Hexen, die Dido vernichten wollen. Weiterhin ließ Tate Phoebus und Venus sowie allerhand Nymphen und Hirten im Prolog auftreten (der mit keinem Wort auf das folgende Drama einging), besagte Hexen zu Beginn des 2. Akts sowie gut gelaunte Matrosen im Hafen von Karthago am Anfang von Akt Nr. 3 und bereicherte das Ganze mit zahlreichen Balletteinlagen.

Purcell strich Tates Prolog komplett und verwendete die ursprünglich als bloße „Divertissements“ gedachten Chöre, Lieder, Tänze und Duette – vor allem Didos verzweifelte Ausbrüche –, um Einblicke in seelische Abgründe zu schaffen, vor denen die jungen Ladies ja behütet werden sollten. Die Oper beginnt in düsterem Moll, mit einer nach französischem Modell gestalteten Ouvertüre, in der das tragische Ende – Didos Tod – vorweggenommen wird. Auch die erste Szene, in der die karthagische Königin ihre verbotene Liebe zu dem trojanischen Prinzen plagt, hellt sich nicht auf – bis Didos Schwester Belinda versucht sie aufzuheitern. Aeneas tritt schließlich zu einer Musik auf, die harmonisch weder zur heiteren Hofgesellschaft, noch in die Stimmung Didos passt, was natürlich kein Zufall ist.

In der den zweiten Akt einleitenden Hexenszene beschwört Purcell die Atmosphäre der düsteren Welt der Furien und Gespenster herauf. Die Hexen beschließen, einen Geist in der Gestalt Merkurs als vermeintlichen Boten Jupiters zu Aeneas zu schicken, um ihn zur sofortigen Abreise zu bewegen. Außerdem wollen sie einen Sturm entfesseln, um Dido und der königlichen Jagdgesellschaft den Spaß zu verderben, was auch gelingt. Während alle vor dem Unwetter zurück in den Palast eilen, folgt der Auftritt des Geistes in Gestalt von Merkur, der Aeneas zum Aufbruch drängt. Im dritten Akt bereiten trojanischen Matrosen dann die Schiffe für Aeneas’ Abreise vor, während die Hexen triumphieren, dass ihr Verschwörungsplan so gut aufgegangen ist. Als der Held dennoch gegen göttlichen Befehl bei Dido bleiben will, weist sie ihn zurück und stirbt an gebrochenem Herzen.

Ob sich die adligen Damen samt ihrer Angehörigen im Publikum der herausragenden musikhistorischen Bedeutung von Purcells Musik bewusst waren? Wohl eher nicht, denn wahrscheinlich goutierten sie vor allem die vertrauten Elemente dieses revolutionären Werks: den Echochor der Hexen, den im Volkston komponierten Matrosenchor sowie die brillant in Szene gesetzten Tänze. Purcells Ideen für ein in sich geschlossenes Musikdrama verliefen im England des 17. Jahrhunderts jedenfalls im Sande. Nach Dido and Aeneas wandte auch er sich jener Musik zu, nach der das damalige Theaterpublikum verlangte: der Schauspielmusik im Sprechtheater sowie der typisch englischen „Semi-Opera“ mit ihrer Mischung aus gesprochenen Dialogen, Musik und Tanz, die in luxuriöser Ausstattung und mit imposanter Bühnenmaschinerie in Szene gesetzt wurde.

Allgemeines

Veranstalter
AUDI AG
Kommunikation Kultur
85045 Ingolstadt

Text und Biografien
Harald Hodeige

Loading..