Abendprogramm 26. Juni 2026
Eröffnungskonzert / Klassik Open Air mit der Audi Bläserphilharmonie

Bildnachweise: © Thorsten Brieger (Audi Bläserphilharmonie) | © Polina Cherezova (Elad Navon)
Programm
Freitag, 26. Juni 2026
Beginn: 20:30 Uhr
Ort: Klenzepark, Ingolstadt
Karten: Eintritt frei / VIP Tickets 100 Euro
Humanity
Eröffnungskonzert / Klassik Open Air mit der Audi Bläserphilharmonie
Birgit Minichmayr Rezitation
Aurora Orchestra
Audi Bläserphilharmonie
Elad Navon, Klarinette
Mathias Wehr, Leitung
Annekatrin Hentschel, Moderation
Mathias Wehr (*1984)
Humanity – A short Fanfare for Band
With Energy
Leonard Bernstein (1918 – 1990)
West Side Story (Auswahl)
(Bearbeitung für Blasorchester: Walton William Duthoit)
Astor Piazzolla (1921 – 1992)
Oblivion
(Bearbeitung für Blasorchester: Robert Longfield)
Duke Ellington (1899 – 1974)
It Don't Mean a Thing
(Bearbeitung für Blasorchester: Dick Ravenal)
Louis Prima (1910 – 1978)
Sing, Sing, Sing
(Bearbeitung für Blasorchester: Jerome Thomas)
Artie Shaw (1910 – 2004)
Konzert für Klarinette und Orchester
Allegro – Slowly, Rubato – Moderate Boogie Woogie Tempo – Cadenza ad libitum – Moderate Swing Tempo – Cadenza ad libitum
(Bearbeitung für Blasorchester: Ted Parson)
Pause
Maurice Ravel (1875 – 1937)
Bolero – Ballet pour orchestre
Tempo di Bolero moderato assai
(Bearbeitung für Blasorchester: Philip Sparke)
Ferrer Ferran (*1966)
Los Barbas für Blasorchester
Astor Piazzolla (1921 – 1992)
Libertango
(Bearbeitung für Blasorchester: Lorenzo Bocci)
Earth, Wind & Fire / Chicago
Earth, Wind, Chicago and Co – Medley
(Bearbeitung für Blasorchester: Robert Kuckertz)
Künstlerinnen/Künstler

© AUDI AG
© AUDI AG
Werktext
Wind. Power. Sound.
Symphonischer Bläserklang von West Side Story über Bolero bis zu Pop-Hymnen der 70er & 80er
„Motivation“, sagt Mathias Wehr, „ist die unsichtbare Kraft, die uns vorantreibt. Sie hilft uns dabei, uns neue Ziele zu setzen und unsere Träume und Wünsche zu verwirklichen. Wenn wir motiviert sind, wird unsere Energie in die richtige Bahn gelenkt und wir sind in der Lage, unsere Zeit besser zu nutzen. In jenen Momenten, in denen unsere Motivation jedoch geschwächt ist, beginnen wir an uns selbst und an unseren Zielen zu zweifeln. Wir stellen unsere Fähigkeiten infrage, verlieren den Glauben und müssen diese verlorene Motivation wiederfinden.“ In seiner Bläserfanfare Humanity fand Wehr für die zutiefst menschliche Kraft, die uns antreibt, plastische Themen: Musik, die über einem minimalistischen Klangteppich ungebremst voranschreitet und jeden im Publikum abholen dürfte – auch, weil sie von ganz alleine das einlöst, was als Spielanweisung über dem ersten Takt notiert ist: „With energy“. „In meinen Kompositionen“, sagt Wehr, „versuche ich, die vielen Klangfarben eines Blasorchesters so vielfältig wie möglich auszunutzen. Ich fühle mich dann immer wie ein Maler, der eine große Farbpalette vor sich liegen hat und ein farbenfrohes Kunstwerk gestalten möchte.“
Um das ungebremste Aufeinanderprallen von Gegensätzen geht es dann in Leonard Bernsteins Musical-Adaption von Shakespeares Romeo und Julia. In ihr haben Komponist und Librettist Arthur Laurents die tragische Liebe ins Milieu zweier rivalisierender Jugendgangs in den New Yorker Slums verlegt. Auf der einen Seite stehen die aus Puerto Rico stammenden Latinos (die „Sharks“), auf der anderen weiße Einwanderer („Jets“), die ihren Rassismus offen ausleben – die Handlung von 1957 ist erschreckend aktuell. Bernstein übertrug in seinem Welterfolg den geografischen Kontrast der Akteure in Musik, indem er die „Jets“ mit Jazz- und Swing-Stilen wie Bebop, Blues und Rock charakterisierte und die puertoricanischen „Sharks“ mit Mambo, Huapango und Cha-Cha-Cha auftreten ließ. Der Streit, der nach der Katastrophe in Versöhnung endet, hinterlässt bis in die kleinsten musikalischen Zellen hörbare Spuren – etwa in den konkurrierenden Rhythmen im Wechsel von 6/8- und 3/4-Takt im bekannten „I Like to Be in America“. Der britische Arrangeur William James Duthoit hat Anfang der 1960er Jahre eine Auswahl von Stücken aus West Side Story zu einem Medley für Blasorchester zusammengestellt, das mit „I Feel Pretty“, „Maria“,„Tonight“ und „America“ alle bekannten Highlights enthält.
Oblivion gehört zweifellos zu den bekanntesten Werken von Astor Piazzolla. Entstanden ist es 1984 für Marco Bellocchios Film Heinrich IV mit Marcello Mastroianni und Claudia Cardinale in den Hauptrollen. Eine tief melancholische Melodie, die bestens zu der auf dem gleichnamigen Drama des Nobelpreisträgers Luigi Pirandello basierenden Geschichte um einen italienischen Landadligen passt, der sich nach einem Sturz auf den Kopf für den deutschen Kaiser Heinrich VI. hält – wobei das 1992 für den Grammy Award in der Kategorie „Best Instrumental Composition“ nominierte Stück im Film ausschließlich während des Abspanns zu hören ist.
In die Swing-Ära geht es dann mit Duke Ellingtons Hit „It Don’t Mean a Thing (If It Ain’t Got That Swing)“ von 1931, der 2008 in die Grammy Hall of Fame aufgenommen wurde – als Jazz-Standard, der auch mehrfach als Soundtrack diente, nicht zuletzt in Woody Allens Swing-Hommage Sweet and Lowdown, in der Sean Penn als Jazzgitarrist Emmet Ray zu sehen ist. Einer der bekanntesten Swing-Titel der 1930er-Jahre und eng mit dem Sound der Bigband-Ära verbunden ist auch „Sing, Sing, Sing (With a Swing)“ von Louis Prima, den Woody Allen wiederum in seine Film Manhattan Murder Mystery verwendet hat: Musik, die – repetitiv und rhythmisch prägnant – auf maximale Energie ausgelegt ist und die in der Cover-Version von Benny Goodman weltbekannt wurde.
Artie Shaw, einer der Pioniere der Bigband-Ära, widmete sein Klarinettenkonzert Benny Goodman – ein Werk, von dem der Schweizer Musiker Marcel Saurer (Pseudonym: Ted Parson) ein brillantes Blasorchester-Arrangement angefertigt hat. Am Anfang steht eine langsame Einleitung, bevor die Musik mit dem treibenden Groove eines Boogie-Boogie-Rhythmus’ immer mehr an Fahrt aufnimmt, während das Soloinstrument melodisch zwischen den unterschiedlichen Instrumentengruppen interveniert. Anschließend treten Schlagzeug und Soloklarinette in einen ausgedehnten Dialog, bevor eine virtuose Schlusskadenz für einen fulminanten Abschluss sorgt.
Keinen Jazz-, sondern einen Konzertsaal-Klassiker schuf Maurice Ravel mit seinem berühmten Bolero, von dem er sagte: „Ich habe nur ein einziges Meisterwerk geschaffen […]. „Leider enthält er keine Musik.“ Tatsächlich besteht das Ganze streng genommen nur aus 16 Takten einer relativ eintönigen Melodie, die sich mit 16 weiteren Takten einer leicht variierten Linie abwechselt – ständig unterlegt vom spanischen Bolero-Rhythmus, der dem Schlagzeuger absolute Höchstleistung abverlangt. Beide 16-Takter bilden zusammen eine Einheit, die ihrerseits nicht weniger als sechzehnmal wiederholt wird, wobei sich das Ganze, abgesehen von einer harmonischen Rückung (dem überraschenden Wechsel von einer Tonart in eine andere) ausschließlich in C-Dur abspielt und ungefähr eine Viertelstunde dauert. Doch was in dieser Viertelstunde passiert, ist atemberaubend. Denn durch nichts als eine ständig wechselnde Besetzung, verbunden mit einem breit angelegten Crescendo erzielt Ravel einen fesselnden musikalischen Sog ständig wechselnder Klangfarben. Nach der erfolgreichen Premiere war in der Zeitschrift Revue musicale zu lesen: „Man war sofort in den Bann gezogen, fortgerissen durch eine Kunst, die an Hexerei grenzt. Ravel hat zweifelsohne viele Werke von sehr großem musikalischem Reichtum geschrieben, er hat aber nichts komponiert, was ihm bisher besser geglückt ist.“
Eine swingende Pasodoble‑Komposition schrieb Ferrer Ferran mit Los Barbas: ein rhythmisch pointiertes Werk samt langsameren Trio, das den traditionellen spanischen Tanz‑ und Marschrhythmus mit kraftvollem Blasorchester‑Klang verbindet. Ferran, der 1966 in Valencia geboren wurde, hat die Musik dem Restaurant Bodega Los Barbas in Ayora (Valencia) gewidmet – als eine musikalische Hommage an die einladende Atmosphäre, Gastfreundschaft und genussvollen Momente. Insofern spiegelt Los Barbas die Freude, Lebenslust und das gesellige Ambiente dieses Ortes – fast so, als ob man an einem erstklassigen Abendessen teilnehmen würde.
Auch der Titel von Astor Piazzollas Klassiker Libertango hat eine besondere Bedeutung: als Wortspiel (Libertad = Freiheit + Tango), das den Bruch des Komponisten mit dem traditionellen Tango unterstreichen sollte. Denn das 1974 komponierte Stück stand am Anfang eines neuen Stils in Piazzollas Schaffen, in dem er klassische Elemente, Jazzharmonien und rhythmische Experimente in den traditionellen Tango einfließen ließ und so zu seinem innovativen „Tango nuevo“ fand. Das Stück, in dem rhythmischer Drive, Melodieführung und harmonische Färbung perfekt ineinandergreifen, zählt heute zu den bekanntesten Piazzolla-Stücken, wobei in der Blasorchester-Bearbeitung von Lorenzo Bocci die kontrastierenden Themen besonders plastisch zur Geltung kommen.
Zu einem musikalischen Ausflug in die 70er und 80er Jahre lädt schließlich Robert Kuckertz Medley Earth, Wind, Chicago and Co ein – natürlich mit Musik von Chicago, die als eine der ersten Bands eine Bläsergruppe integriert haben. So verband Chicago Rock‑Energie, Jazz‑Harmonik und Bläser-Power zu einem unverwechselbaren Sound, der Hits wie „Saturday in the Park“ oder „25 or 6 to 4“ ermöglicht hat und für Blasorchester perfekt adaptiert werden kann. Auch in der Musik von Earth, Wind & Fire sind die Bläser unerlässlich – als zentrale Triebkraft für einen tanzbaren Funk-, Soul- und R&B‑Sound, der Hits wie „September“, „After The Love Has Gone“ oder „Let’s Groove“ wochenlange Chartplatzierungen bescherte.
Allgemeines
Veranstalter
AUDI AG
Kommunikation Kultur
85045 Ingolstadt
Text und Biografien
Harald Hodeige


