Abendprogramm 27. Juni 2026
„Swanlake reimagined” Klassik Open Air mit Baltic Sea Philharmonic

Bildnachweise: © Jannes Frubel (Charlotte Melkonian) | © Bernd Possardt (Baltic Sea Philharmonic)
Programm
Samstag, 27. Juni 2026
Beginn: 20:30 Uhr
Ort: Klenzepark, Ingolstadt
Karten: Eintritt frei / VIP Tickets 100 Euro
„Swanlake reimagined“
Klassik Open Air mit dem Baltic Sea Philharmonic
Peter I. Tschaikowsky (1840 – 1893)
Schwanensee op. 20 (Auszüge)
Nr. 10 Scène: Moderato
Nr. 2 Valse: Intrada. Tempo di Valse
Nr. 28 Scène: Allegro agitato
Nr. 29 Scène finale: Andante – Allegro agitato – Alla breve. Moderato e maestoso – Meno mosso – Moderato
Jean Sibelius (1865 – 1957)
Lemminkäinen-Suite op. 22 – Vier Legenden für Orchester
Nr. 2 Der Schwan von Tuonela
Peter I. Tschaikowsky
Variationen über ein Rokoko-Thema für Violoncello und Orchester A-Dur op. 33
Moderato quasi Andante – Tema. Moderato semplice
Var. 1: Tempo della tema
Var. 2: Tempo della tema
Var. 3: Andante sostenuto
Var. 4: Andante grazioso – Un poco animato – Tempo I – Un poco animato
Var. 5: Allegro moderato
Var. 6: Andante
Var. 7 e coda: Allegro vivo
Pause
Jean Sibelius (1865 – 1957)
Sinfonie Nr. 5 Es-Dur op. 82
1. Tempo molto moderato – Allegro moderato – Presto – Più presto
2. Andante mosso, quasi allegretto – Tranquillo – Poco a poco stretto – Tempo primo
3. Allegro molto – Misterioso – Largamente assai – Un pochettino stretto
Baltic Sea Philharmonic
Charlotte Melkonian, Violoncello
Robert Treviño, Leitung
Annekatrin Hentschel, Moderation
Künstlerinnen/Künstler

© AUDI AG
© AUDI AG
Werktext
Singende Schwäne, scheiternde Helden
Der Schwan von Tuonela von Jean Sibelius
Totenreich der finnischen Mythologie: Die Runen des finnischen Nationalepos Kalevala schildern Tuonela als einen unheimlichen, infernalischen Ort. Zwar gibt es hier Felder, Wiesen, Wälder und Gewässer, doch stehen alle in der Unterwelt lebenden Pflanzen und Tiere den Verstorbenen feindselig gegenüber. Um die Toten an der Rückkehr in das Reich der Lebenden zu hindern, wird das Land von den reißenden Gewässern des Tuonela-Stroms umschlossen, dessen schwarzes Wasser voller gefährlicher Strömungen und Wirbel ist. Auf ihnen schwimmt ein singender Schwan, der die Verstorbenen ins Totenreich übersetzt.
Wie für viele finnische Künstler seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Kalevala-Stoff auch für Jean Sibelius zu einer der wichtigsten Inspirationsquelle. Insbesondere der draufgängerische Held Lemminkäinen fesselte ihn, weshalb er vier Orchesterstücke über die mythische Figur schrieb. Eine von ihnen ist die symphonische Legende Der Schwan von Tuonela, den Lemminkäinen töten soll, um die Tochter der mächtige Herrscherin des Nordlands Pohjola für sich zu gewinnen. Nach einer kurzen Einleitung setzt das Englischhorn mit einem elegischen Hauptthema ein, das während des gesamten Werks den singenden Schwan symbolisiert. Kontrastierend entwickelt sich wenig später in Solo-Violoncello und Solo-Bratsche ein aufsteigender musikalischer Gedanke, der für die Sehnsucht der Verstorbenen nach Leben und Licht steht. Etwa in der Mitte des Ganzen verdichtet sich die Musik zu einem dynamischen Höhepunkt, gefolgt von einem hochexpressiven Klagelied der Streicher, bevor sich die notengetreue Wiederholung des Schwanengesangs anschließt – nun von einem zitternden Tremolo der Streicher begleitet, die als Ausdruck höchsten Schreckens nicht mit den Haaren ihres Bogens spielen, sondern mit dem Holz (col legno). Am Ende sinkt die Musik resignierend in sich zusammen, um sich in einem unendlich wirkenden Klangfluss aufzulösen: Lemminkäinen ist an seiner Hybris gescheitert, sein Körper wurde zerstückelt und in den Tuonela-Strom geworfen, was allerdings nicht das Ende bedeutet. Denn seine Mutter setzt die Körperteile ihres Sohnes wieder zusammen und erweckt ihn mit Magie zu neuem Leben. Doch das ist eine andere Geschichte.
„Das ist endlich wieder Musik!“
Tschaikowskys Variationen über ein Rokoko-Thema
Vom Titel Variationen über ein Rokoko-Thema darf man sich nicht täuschen lassen: Das Thema, so heiter und rokokoartig es auch klingen mag, ist originaler Tschaikowsky. Dennoch ist das Werk im Gedenken an einen Komponisten entstanden, dessen Musik Tschaikowsky lebenslang besonders schätzte: „Nach meiner tiefen Überzeugung“, heißt es in einer Tagebucheintragung vom 20. September 1887, „ist Mozart der höchste Gipfelpunkt, den die Schönheit im Bereich der Musik erreicht hat.“ Wie eine Hommage beginnen dann auch die Variationen über ein Rokoko-Thema – das Hauptthema greift unverkennbar den empfindsamen, heiteren Geist der Mozartzeit auf, auf die Tschaikowsky mit nostalgischen Gefühlen zurückzublicken scheint. Noch die erste Variation, in der das Violoncello elegante Girlanden von Sechzehntel-Triolen über nur zart skizzierte „Klangtupfer“ der Streicher spannt, könnte aus Mozarts Feder stammen. Doch dann mutiert das Ganze in Richtung großes Virtuosenkonzert, wobei im Solocello die seit der musikalischen Klassik stark erweiterten Ausdrucksmöglichkeiten des Instruments voll und ganz ausgeschöpft werden.
Tschaikowsky widmete seine Rokoko-Variationen Wilhelm Karl Friedrich Fitzenhagen, Freund und Kollege am Moskauer Konservatorium sowie Konzertmeister bei der Kaiserlich-Russischen Musikgesellschaft. Als künftiger Solist der Uraufführung nahm dieser eigenmächtig Veränderungen vor, indem er eine achte Variation strich, die ursprüngliche Reihenfolge der Variationen änderte und die Coda kürzte. Obwohl der Komponist wenig begeistert war, setzte sich Fitzenhagens Version durch – und das nicht zu Tschaikowskys Schaden: „Mit Ihren Variationen“, heißt es in einem Brief Fitzenhagens„habe ich Furore gemacht. Das Stück hat so gefallen, dass man mich dreimal auf das Konzertpodium gerufen und nach der Andante-Variation (d-Moll) stürmisch applaudiert hat. Liszt sagte zu mir ‚Ja, das ist endlich wieder Musik!‘“
Hymne an die Natur
Das Finale aus Sibelius’ Fünfter Symphonie
Leicht hat es sich Jean Sibelius mit dem Komponieren nicht gemacht, was nicht zuletzt der Entstehungsprozess seiner Fünften Symphonie beweist. Über mehr als fünf Jahre zog er sich hin und führte zu drei verschiedenen Versionen. Die erste von 1914/1915 wurde zur Feier von Sibelius’ 50. Geburtstag am 8. Dezember 1915 in Helsinki uraufgeführt. Bereits 1916 folgte eine Revision, mit der der Komponist allerdings immer noch unzufrieden war, weshalb er das Werk erneut überarbeitet. Am 24. November 1919 wurde schließlich die endgültige Version uraufgeführt – das allerdings mit überwältigendem Erfolg.
In seiner Fünften Symphonie ließ sich Sibelius erklärtermaßen von der finnischen Landschaft und der sie umgebenden Natur anregen – vor allem im dritten und letzten Satz, über dessen Inspiration durch eine majestätische Vogel-Formation der Komponist in seinem Tagebuch notierte: „Sah heute zehn vor elf 16 Schwäne. Eines der größten Erlebnisse meines Lebens! Ihr Ruf gehört dem gleichen Holzbläsertyp an wie der von Kranichen, aber ohne Tremolo. Herrgott diese Schönheit! Sie kreisten lange über mir. Verschwanden in den Sonnenuntergang wie ein Silberband, das ab und zu glitzerte. Ihr Ruf gehört dem gleichen Holzbläsertyp an wie der von Kranichen, aber ohne Tremolo. Der Schwanengesang ähnelt eher einer Trompete, wenngleich der Sarrusophonklang deutlich ist. [Sarrusophone sind kräftig klingende Alternativen zu Oboe und Fagott, die ungeachtet ihres Metallkorpus wegen ihres Mundstücks mit Doppelrohrblatt zu den Holzblasinstrumenten gezählt werden.] Ein leiser Refrain, der klingt wie das Weinen eines kleinen Kindes. Naturmystik und Weltschmerz! Das Finalthema der fünften Symphonie: Legato in den Trompeten!!“ Tatsächlich sollte dieses „Schwanenthema“ mit Ohrwurm-Qualität weite Teile dieses letzten Satzes bestimmen. Es erklingt nach einer Weile unüberhörbar in den von Holzbläsern begleiteten Hörnern und wird mehrfach wiederholt. Am Ende mündet die Musik mit eben diesem Thema (nun in den Trompeten) in eine grandiosen Naturhymne. „Das Ganze“, so Sibelius, „ist eine, wenn ich so sagen darf, vitale Steigerung gegen den Schluss hin. Triumphal.“
Krönung des klassischen Handlungsballetts
Tschaikowskys Schwanensee
Peter Tschaikowsky wurde 1840 in der kleinen russischen Stadt Wotkinsk geboren – zu einer Zeit, in der es keine Autos, Flugzeuge oder Computer gab. Schon als Kind liebte er es, Musik zu hören. Natürlich nicht auf dem Handy, sondern auf einem großen mechanischen Musikautomaten namens „Orchestrion“, der im Haus seiner wohlhabenden Eltern stand. Mit neun wurde er ins Internat gesteckt, auf die Kaiserliche Juristenschule in St. Petersburg – obwohl er schon als Teenager komponierte und ganz andere Interessen hatte. Nach vier Jahren als Sekretär im Justizministerium, hielt es Tschaikowsky dann nicht mehr aus: Er kündigte und ging als einer der ersten Studenten an die neu gegründete Musikhochschule in St. Petersburg. Nach dem Studium unterrichtete er am Konservatorium in Moskau, wobei er auch als Komponist erste Erfolge hatte. Mit seinen späteren Symphonien, Opern und Balletten wurde Tschaikowsky schließlich international berühmt – allen voran mit Schwanensee, das im Auftrag des Bolschoi-Theaters entstand. Die Geschichte um die in den weißen Vogel verzauberte Prinzessin Odette, die nur durch die aufrichtige Liebe des Prinzen Siegfried aus dem Bann des bösen Zauberers Rotbart erlöst werden kann, greift verschiedene Märchenmotive auf, ohne dass sie einer konkreten Geschichte entlehnt wäre.
Mit Schwanensee gelang Tschaikowsky ein wohl nie wieder erreichter Höhepunkt des klassischen Handlungsballetts. In der choreographischen Fassung des legendären Ballettmeisters Marius Petipa, die am 17. Februar 1895 im St. Petersburger Mariinski-Theater Premiere hatte, begann das Werk seinen Triumphzug durch die großen Häuser der Welt. Bereits vorher hatte Tschaikowsky eine Orchestersuite zusammenstellen lassen, in der alle Hauptnummern vertreten sind, was schlau war – da so viele seiner heute bekanntesten Melodien auch im Konzertsaal aufgeführt werden können.
Allgemeines
Veranstalter
AUDI AG
Kommunikation Kultur
85045 Ingolstadt
Text und Biografien
Harald Hodeige


