Abendprogramm 19. Juli 2026

Salzburger Festspiele zu Gast: Holle! – Kinderoper

Illustration mit großer Frau mit Tasche über zwei kleineren Figuren; Wolken, Blitz, Wind und Maschine, violette Farbpalette.

Bildnachweis: © SF / Gemma Palacio

Programm

Sonntag, 19. Juli 2026

Beginn: 16 Uhr
Ort: museum mobile, Audi Forum Ingolstadt
Karten: Erwachsene 16 Euro / Kinder 12 Euro / freie Platzwahl
Empfohlen für Kinder ab 7 Jahren

Salzburger Festspiele zu Gast: Holle! – Kinderoper

Catharina von Bülow, Regie
Anna Kreinecker, Bühne und Kostüme
Christian Schröder, Dramaturgie
Tatiana Kuryatnikova, Holle
Alexander Gergelyfi, Gold-Andy / Hammerklavier u. a.
Manuel Ernst, Pech-Andy / Klarinette

Sebastian Schwab (* 1993)
Holle!
Oper nach Motiven des Grimm’schen Märchens Frau Holle
Libretto: Kai Weßler und Suse Pfister
(Dauer: ca. 60 Minuten)

Künstlerinnen/Künstler

Drei kostümierte Darsteller auf einer Theaterbühne mit buntem Bühnenbild, Spinnrad und rotem Cembalo.

Werktext

Wenn der Schnee ausbleibt …
Holle! von Sebastian Schwab, Kai Weßler und Suse Pfister

Frau Holle? Gehört zu den Märchen der Brüder Grimm, deren Inhalt der durchschnittliche deutsche Muttersprachler auch heute noch einigermaßen sicher nacherzählen kann. Eine Geschichte von zwei ungleichen (Halb)-Schwestern, die für ihr Verhalten auf symbolische Weise belohnt beziehungsweise bestraft werden: Die eine kehrt nach bestandenen Prüfungen im Zauberreich von Frau Holle, in dem sie nicht nur die Betten geschüttelt, sondern auch das Brot vor dem Verbrennen gerettet und die Äpfel vom Baum gepflückt hat, als Goldmarie nach Hause zurück. Die andere, die all dies nicht tat, erhält das sprichwörtliche „Pech“. In der bekannten Geschichte, in der sich Frau Holle eigentlich um das Wetter kümmert – je gründlicher man ihre Betten ausschüttelt, desto mehr Schnee fällt auf der Erde –, werden Themen wie Fleiß, Gehorsam und die Suche nach Glück verhandelt, wobei das Ganze in die epische Konfrontation zweier gegensätzlicher Welten eingebunden ist: dem Diesseits, in dem Goldmarie von ihrer Stiefmutter so viel Spinnen muss, dass ihre Finger bluten (weshalb sie die Spindel im Brunnen waschen will, worauf sie hineinfällt) und dem magische Zauberreich von Frau Holle, das sich paradoxerweise in tiefster Tiefe befindet, weshalb es beide Protagonistinnen durch ihren waghalsigen Sprung in den Brunnen erreichen.

Jenseits seiner zeitlosen Moral wirft das Märchen auch allerhand psychologische und gesellschaftliche Fragen auf, die an Aktualität nichts verloren haben. Denn handelt die von Frau Holle für ihre fleißige Arbeit reich beschenkte Goldmarie eigentlich aus eigenem Willen oder nur aus einem erlernten Gehorsam heraus? Verbirgt sich hinter ihrer Haltung möglicherweise die Unfähigkeit, selbstständig Entscheidungen zu treffen? Vorteile und Gefahren ihres Verhaltens werden in der Geschichte benannt. Denn, so lässt sich fragen, ist ihr auf Befehl der bösen Stiefmutter erfolgte Sprung in den Brunnen (eine potenziell tödliche Handlung, die in diesem Märchen allerdings ins Zauberreich von Frau Holle führt) nicht Ausdruck eines fragwürdigen Pflichtbewusstseins?

Dass in dem berühmten Märchen noch viele weitere aktuelle Facetten und Bezüge stecken, zeigt die Kinderoper Holle! von Sebastian Schwab, Kai Weßler und Suse Pfister, in der mit ausbleibenden Wintern und allerhand Wetterkapriolen ein Bogen zur aktuellen Klimakrise geschlagen wird: Was passiert, wenn das Gleichgewicht der Natur aus den Fugen gerät? Ein modernes Märchen, das zentrale Fragen unserer Zeit verhandelt, wie den Umgang mit natürlichen Ressourcen, den Einfluss menschlicher Wünsche auf ökologische Prozesse und die Schwierigkeit, Verantwortung gerecht zu verteilen – das Ganze natürlich unterhaltsam aufbereitet für ein junges Publikum. Die Rollen der ungleichen Geschwister übernehmen in der Kinderoper Pech- und Gold-Andy: zwei performende Instrumentalisten, die zwischen musikalischer Begleitung und Spiel auf der Szene zwanglos hin- und her wechseln. Das Ergebnis? Ein wilder Ritt durch alle musikalischen Wetterlagen voller überraschender Stilwechsel – von himmelhochjauchzendem Sonnenschein-Dur bis zu verhagelten Wut-Arien der Frau Holle –, der nach allerhand Verwicklungen schließlich doch noch ein Happy End hat.

Allgemeines

Veranstalter
AUDI AG
Kommunikation Kultur
85045 Ingolstadt

Text und Biografien
Harald Hodeige

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