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Multitalent auf dem Green: Der ganz eigene Stil der Troy Mullins

Multitalent auf dem Green: Der ganz eigene Stil der Troy Mullins

Troy Mullins ist ein Multitalent und stellte als Golferin bereits einen Weltrekord auf. Ihren Platz in der Golfszene musste sie sich aber erst erkämpfen.

Text: Nadia Riaz-Ahmed - Foto: Matthias Fend – Film: Dietrich Mangold Lesezeit: 4 min

Troy Mullins

Ihr Weltrekord, sagt Troy Mullins, sei ihr „kleines Abzeichen“. Klein, weil ihr Weltrekord nur eine kleine von vielen Leistungen sei, die sie auf dem Golfplatz in Zukunft erreichen wolle. Im Jahr 2017 schlug sie beim World Long Drive Mile High Tournament den Ball 402 Yards (fast 368 Meter) weit – weiter hatte ihn noch keine Golferin geschlagen. Sie gewann die Veranstaltung und avancierte damit zu einer der besten Long-Drive-Golferinnen Amerikas und zu einer der spannendsten Golferinnen ihrer Generation.


Troy Mullins mit Golfschläger.

Mit ihrer großen Lockenmähne, ihrem ansteckenden Lachen, ihrer selbstbewussten Ausstrahlung und ihrem ganz eigenen, farbenfrohen Kleidungsstil ist Mullins eine Ausnahmeerscheinung auf den Golfplätzen rund um den Globus. Sie hat sich in der Long-Drive-Szene, in der gewinnt, wer den Ball am weitesten schlägt, mit ihrem Talent längst einen Namen gemacht – wohl auch bei ihrem Idol Tiger Woods.

 Im Jahr 2018, erinnert sie sich, war sie Gast auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung von Woods. Er kam an einem Loch vorbei, an dem sie gerade mit drei anderen Golfern spielte. „Innerlich konnte ich mich vor Freude kaum halten, dass er hier und jetzt neben mir stand“, erzählt sie. „Es geht nichts über ein Treffen mit Tiger Woods“, sagt sie.


Der Golfplatz in Kitzbühel, auf dem das Weltfinale 2021 des Audi quattro Cup stattgefunden hat.

Allroundtalent im Sport: von allem ein bisschen

Weltrekorde und Abschläge mit Tiger Woods schienen auf ihrem Weg, aber erst einmal nicht vorgezeichnet. Als Kind war Mullins ein sportliches Multitalent, trainierte Schwimmen, Volleyball, Tennis und Leichtathletik. In einem der vielen Sportcamps, in die ihre Mutter sie schickte, kam sie auch zum ersten Mal mit Golf in Berührung. „Mir hat es zwar damals schon gefallen, den Ball zu schlagen“, erinnert sie sich. „Aber ich hasste die Sonne, das ständige Laufen, und ich hasste es, das einzige Mädchen zu sein. Ich wollte niemals Golferin werden.“

Stattdessen trat sie in die Fußstapfen ihres Vaters, der Leichtathlet und ein Weltklasse-400-Meter-Läufer war. Auch Troy hatte Talent: Mit acht Jahren trat sie bereits gegen Teenager an. In ihrem letzten Jahr an der Highschool wechselte sie vom Sprinten zum Siebenkampf. Mullins besuchte zwei Jahre lang die Cornell-Universität, wo sie China-Asien-Pazifik-Studien und internationale Beziehungen studierte. Nebenbei lernte sie fließend Mandarin zu sprechen – immer auf der Suche nach der nächsten Herausforderung.

Bei einem eher zufälligen Besuch einer Driving Range in Los Angeles entdeckte sie dann doch ihre neue Leidenschaft: „Ich wurde sofort süchtig danach, den Ball zu schlagen“, erzählt sie. Ihr wurde klar: Sie wollte Golferin werden, Profigolferin sogar – und es dabei auf keinen Fall langsam angehen lassen. „Meine Familie hat meine spontanen und hochgesteckten Ziele nicht wirklich verstanden“, sagt sie. Doch Mullins' Plan ging auf: „Drei Jahre nachdem ich meinen ersten Ball schlug, nahm ich an Amateurturnieren teil“, sagt sie. Bei ihrem ersten Long-Drive-Event belegte sie den zweiten Platz. Trotz ihres frühen Erfolgs sagt sie: „Ich finde immer noch heraus, wie man ein echter Golfprofi wird.“

Troy Mullins bereitet den Abschlag vor.
Troy Mullins hat den Golfball im Blick.

Man muss an sich selbst glauben und alles tun, um seine Träume zu verwirklichen.

Troy Mullins

Troy Mullins beim Abschlag.

Die „Trojanische Göttin“ auf dem Golfplatz

Die Troy Mullins, die heute für Golf-Events durch die Welt reist, den Spitznamen „Trojan Goddess“ trägt und rund 250.000 Follower über alle Social-Media-Kanäle hinweg hat, war bis vor wenigen Jahren noch eine ganz andere. Sie empfand die Konventionen ihres Sports oft als erdrückend, berichtet sie. Mullins, häufig die einzige schwarze Frau auf dem Golfplatz, wirke zu athletisch, kleide sich zu bunt, lenke die anderen Spieler zu sehr ab – Bemerkungen, die ihr nahegegangen sind. Sie versuchte ihre Persönlichkeit zu verbergen und sich anzupassen – sie tauschte ihren bunten Rock gegen eine schwarze Hose, „bis ich realisiert habe, dass ich Zeit damit verschwendet habe, etwas zu sein, was ich nicht bin. Und Fakt ist, dass es unzählige Frauen wie mich gibt, die auch gern Golf spielen möchten. Ich sollte sie repräsentieren. Ich finde, ich sollte die Norm sein, nicht die Ausnahme“, sagt sie.

Sich ständig weiterentwickeln, lernen und verbessern – genau das gefällt der 36-Jährigen am meisten am Golfsport. „Ich liebe Herausforderungen“, sagt sie. Sie sei geradezu besessen davon, die Golfdisziplinen immer besser zu meistern. „Auf jedem Niveau gibt es immer etwas, woran man arbeiten kann, wenn man einen Schläger in die Hand nimmt. Angesichts der sich ständig ändernden Bedingungen gehe ich jeden Tag mit einem offenen Geist an das Spiel heran, als wäre ich eine Anfängerin.“ Es sind dieser Ehrgeiz, das ständige Streben nach Fortschritt und die hochgesteckten Ziele, die sie jeden Tag antreiben. Und Mullins weiß, wohin sie will: in die LPGA Tour, die größte Golf-Turnierserie, diese gewinnen, und dann einen Platz in der Hall of Fame. „Um erfolgreich zu sein, brauchst du Attitüde“, sagt sie. „ Du musst an dich selbst glauben und alles dafür tun, deine Träume und Ziele zu erreichen.“

Die Golfszene, hofft sie, wird künftig immer diverser werden. Mit einer ganz anderen Leidenschaft neben dem Golf möchte sie selbst für Veränderung sorgen: Mode. „Ich möchte in Zukunft eine Modelinie für Frauen designen, die für alle Körpertypen geeignet ist“, sagt sie. „Feminin, bunt, anders.“


Detailaufnahme der karierten Golfhose und der Sneaker, die Mullins auf dem Golfplatz trägt.
Nahaufnahme der lachenden Troy Mullins

Ich finde, ich sollte die Norm sein, nicht die Ausnahme.

Troy Mullins

Troy Mullins am Golfkart.
 
Troy Mullins im Audi e-tron GT quattro{ft_e-tron-gt}

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